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Moderne Heizsysteme für Altbauten in Bayern: Chancen und gesetzliche Anforderungen für Bauunternehmen und Eigentümer und deren Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Moderne Heizsysteme für Altbauten in Bayern: Chancen und gesetzliche Anforderungen für Bauunternehmen und Eigentümer und deren Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Moderne Heizsysteme für Altbauten: Optionen und Wirtschaftlichkeit

Treiber für den Heizungstausch im Bestand

Im Großraum München steigen Energiepreise, CO₂-Abgaben und ESG-Anforderungen parallel. Für Eigentümerinnen und Eigentümer von Bestandsgebäuden bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Der Betrieb muss ohne Unterbrechung laufen, gleichzeitig drohen hohe Folgekosten durch veraltete Technik. Ein zeitgemäßes Heizsystem adressiert beide Punkte, indem es Betriebsausgaben senkt und die Nachhaltigkeitskennzahlen verbessert.

Regulatorischer Rahmen und Marktzahlen

Energie- und Verbrauchsstatistik

Der Gebäudereport 2024 der Deutschen Energie-Agentur weist für Nichtwohngebäude in Deutschland einen Anteil von 34 % des Endenergiebedarfs für Wärme und Warmwasser aus. In Bayern liegt der Wert leicht höher, da zahlreiche Anlagen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren noch mit Nachtspeicherheizungen, Ölkesseln oder ineffizienten Gasthermen betrieben werden. Unsanierte Büroimmobilien kommen im Durchschnitt auf rund 180 kWh/m²a. Nach Sanierung reduziert sich dieser Wert auf 70 – 90 kWh/m²a, was je nach Brennstoffpreis Einsparungen von 5 – 8 €/m² und Jahr ermöglicht.

Gesetzliche Vorgaben und Förderlandschaft

Seit 2024 schreibt das Gebäudeenergiegesetz vor, dass neu installierte Heizungen mindestens 65 % erneuerbare Energieanteile nachweisen. Für bestehende Anlagen gilt eine Übergangsfrist; die Entscheidung wird damit jedoch nur aufgeschoben. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) stellt Investitionszuschüsse von bis zu 40 % bereit. Ergänzend können zinsgünstige Darlehen der KfW (Programm 261) und steuerliche Vergünstigungen nach § 35c EStG genutzt werden. Auf europäischer Ebene lässt sich eine Sanierung als taxonomiekonforme Investition einstufen, was Finanzierungsbedingungen weiter verbessert.

Planungs- und Finanzierungsprozess

Systemauswahl und Wirtschaftlichkeitsbewertung

Die Auswahl eines Heizkonzepts hängt von Gebäudestruktur, Nutzung, Anschlussoptionen sowie gegebenen Denkmalschutzauflagen ab. Eine Lebenszyklus-Kostenrechnung über 20 – 25 Jahre berücksichtigt Investitionen, Wartung, Brennstoff, CO₂-Bepreisung und Restwerte. Erst dieser Gesamtblick zeigt, ob beispielsweise eine Erdsonden-Wärmepumpe oder eine Hybridlösung aus Gas-Brennwertgerät und Solarthermie wirtschaftlich überlegen ist. Variantenvergleiche im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erhöhen zudem die Förderquote.

Finanzierungsmodelle

Neben Eigenmitteln und Förderkrediten kommt im gewerblichen Sektor häufig Energie-Contracting zum Einsatz. Ein Dienstleister plant, errichtet und betreibt die Anlage; die Refinanzierung erfolgt über eine feste Wärmegebühr. Das Modell reduziert Kapitalbindung, verschiebt jedoch technische und vertragliche Risiken in Richtung Servicepartner. Technische Due-Diligence-Prüfungen vor Vertragsabschluss sind daher üblich, um Versorgungssicherheit und geplante Renditen abzusichern.

Bau- und Umsetzungsanforderungen

Integrale Planung und Lean Construction

Altbauten verfügen oft über begrenzte Schächte, niedrige Decken und sensible Bauphysik. Building Information Modeling (BIM) unterstützt die Kollisionsprüfung in der Vorplanung. Während der Realisierung bewährt sich ein Lean-Construction-Ansatz mit kurzen Taktungen, wöchentlichen Kontrollen und zentraler Baustellenlogistik. Vorgefertigte Rohrleitungssektionen und staubarme Kernbohrverfahren verkürzen Stillstandzeiten insbesondere in vermieteten Flächen.

Spezifische Anforderungen gehobener Wohnnutzung

In hochwertigen Wohnungen oder denkmalgeschützten Objekten ist Technik unsichtbar zu integrieren und Schalldruck auf ein Minimum zu reduzieren. Lösungen wie Sole-Wasser-Wärmepumpen mit vertikaler Erdsonde, Niedertemperatur-Fußbodenheizung sowie wandintegrierte Register erfüllen diese Vorgaben und bleiben zugleich rückbaubar – ein entscheidender Punkt bei Abstimmungen mit Denkmalschutzbehörden.

Anwendungsbeispiele aus Bayern

Büroimmobilie aus den 1970er-Jahren

Eine Münchner Firmenzentrale hat 2023 von Gas-Altanlagen auf eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit Gas-Brennwert-Spitzenlast umgestellt. Bis −7 °C deckt die Wärmepumpe den Bedarf allein; erst darunter übernimmt der Kessel. Mit einem COP von 3,2 sanken die jährlichen Heizkosten um 42 % und die CO₂-Emissionen um 180 t. Die Amortisationsdauer liegt bei acht Jahren inklusive 25 % BAFA-Zuschuss.

Denkmalgeschütztes Stadtpalais

Für sechs Luxuswohnungen in der Maxvorstadt kam eine Sole/Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonde zum Einsatz. Unsichtbare Verlegung der Leitungen, Niedertemperatur-Flächenheizungen und digitale Einzelraumregelungen gewährleisten hohen Wohnkomfort ohne Eingriffe in die Fassade. Das Konzept moderne Heizung Altbau wurde seitens Denkmalschutz akzeptiert, da alle Bauteile reversibel sind.

Mixed-Use-Objekt mit Einzelhandel

Ein innerstädtisches Gebäude kombinierte Fernwärme mit dezentralen Lüftungsgeräten samt Wärmerückgewinnung, um Warmluftheizer abzulösen. Die Montage erfolgte in Nachtschichten, sodass der Einzelhandel nur zwei Wochen geschlossen blieb. Der Primärenergiebedarf reduzierte sich um 55 %. Die kosten neue Heizung Altbau bewegten sich im mittleren sechsstelligen Bereich und wurden über einen KfW-Ergänzungskredit mit zehnjähriger Zinsbindung finanziert.

Technische Konzeption: Hydraulik und Regelung

Eine leistungsfähige Anlage beginnt mit einer sauberen hydraulischen Verschaltung. Bestandsgebäude in München besitzen häufig gemischte Heizkreise, alte Pumpen und ungeregelte Thermostatventile. Ein vollständiger hydraulischer Abgleich in Verbindung mit Hocheffizienzpumpen senkt den Strombedarf um bis zu 70 % und schafft die Voraussetzung für niedrige Vorlauftemperaturen. Digital ansteuerbare Ventilinseln und Raumcontroller erlauben es, Lastprofile exakt nachzuverfolgen und Spitzen lastabhängig zu kappen. Bei Wärmepumpen empfiehlt sich ein Pufferspeicher mit mindestens 20 l/kW, um Taktungen zu reduzieren und die JAZ zu steigern. Auch klassische Gas-Brennwertgeräte profitieren von einem Rücklauftemperaturniveau unter 40 °C, da der Kondensationswirkungsgrad steigt.

Monitoring und Betriebsoptimierung

Nach der Inbetriebnahme entscheidet sich innerhalb der ersten 12 Monate, ob die prognostizierten Einsparungen tatsächlich anfallen. Intelligente Zählerketten für Wärme, Strom und gegebenenfalls Kälte liefern die Basisdaten. Ein cloudbasiertes Energiemanagementsystem analysiert diese in 15-Minuten-Intervallen und meldet Abweichungen automatisiert an das Facility Management. Typische Korrekturmaßnahmen sind die Anpassung von Heizkurven, die Verringerung der Taktdauer oder die Verschiebung von Warmwasserbereitungszyklen in lastarme Perioden. In Pilotprojekten ließen sich so Mehrverbräuche von bis zu 18 % im ersten Betriebsjahr eliminieren.

Wartung und Lebenszyklusmanagement

Während die initialen kosten neue Heizung Altbau vor allem Investoren beschäftigen, entscheidet die Wartungsstrategie über die langfristige Rentabilität. Wärmepumpen erfordern jährliche Dichtheitsprüfungen und ein zwei-jährliches Update der Regelungssoftware. Bei Gas- oder Ölspitzenlastkesseln sind Brennerwartung, Kondensatleitung und Abgaskanal kritisch. Ein zustandsabhängiger Service, der Sensordaten nutzt, reduziert Stillstandszeiten um rund 30 %. Vertraglich lässt sich dies in ein SLA mit garantierten Verfügbarkeiten von 95 % und mehr gießen – ein wichtiger Punkt für produzierende Unternehmen.

Typische Fehlerquellen und ihre Vermeidung

Häufig scheitern Projekte an unscheinbaren Details: Zu kleine Querschnitte in Bestandssteigleitungen begrenzen die Durchflussmenge; fehlende Estrichfugen stören die Flächenheizung; ungeeignete Kältemittelleitungen erzeugen Druckverluste. Frühzeitige 3D-Scans der Technikräume decken solche Konflikte auf. In der Ausführung sichern Werksprüfzeugnisse (WPK) und eine Fremdüberwachung den Materialstandard. Für Gebäude mit mehrere Nutzerparteien ist ein separates Zonen- oder Mieterstromkonzept ratsam, um die Verbrauchszuordnung sauber zu halten.

Kosten- und Terminkennwerte aus der Praxis

Für eine moderne Heizung Altbau kann mit folgenden Richtwerten kalkuliert werden: Luft/Wasser-Wärmepumpe 200 €/kW thermisch, Sole/Wasser-Wärmepumpe 350 €/kW, Gas-Brennwert-Spitzenlast 90 €/kW, Solarthermie 700 €/m² Kollektorfläche. Installationskosten liegen bei 30–50 % der Gerätekosten, abhängig von Schachtverfügbarkeit und Leitungswegen. Der reine Baueingriff dauert in Bürogebäuden mit 5 000 m² Nutzfläche typischerweise acht bis zwölf Wochen, wovon maximal zwei Wochen auf heizungsfreie Zeit entfallen dürfen. Durch Nacht- und Wochenendarbeit lassen sich Ausfallzeiten halbieren, erhöhen jedoch den Stundensatz um rund 15 %.

Genehmigungs- und Abstimmungsprozess in Bayern

Genehmigungen für Bohrungen tiefer als 100 m erteilt in Oberbayern das Bergamt Süd; die Bearbeitungszeit beträgt aktuell vier bis sechs Monate. Für oberflächennahe Systeme genügt eine wasserrechtliche Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde. Bei denkmalgeschützten Fassaden greifen Art. 6 BayDSchG sowie kommunale Gestaltungssatzungen. Eine frühzeitige Vorlage von Revisionsplänen und ein reversibles Einbaukonzept erhöhen die Zustimmungschancen erheblich. Für Fernwärmeanschlüsse sind die Netzanträge häufig das Nadelöhr; hier lohnt eine parallele Planung mit der Stadtwerke-Wärmeleitstelle.

Zukunftssicherheit: Wasserstoff, Quartiersnetze, Abwärme

Gasbrennwertgeräte werden heute bereits „H₂-ready“ bis 20 % Beimischung ausgeliefert. Wer über eine modulare Aufstellung und Edelstahlleitungen verfügt, kann den Wasserstoffanteil später auf bis zu 100 % steigern, sobald das Verteilnetz umgestellt wird. In Entwicklungsgebieten wie Freiham oder dem Werksviertel entstehen Quartiersnetze, die Abwärme aus Rechenzentren oder Produktionsanlagen integrieren. Altbauten, die hier einspeisefähig sind, verbessern ihre ESG-Bilanz weiter und sichern Förderboni in künftigen Programmen.

Fazit
Ein lückenlos geplanter Heizungstausch kombiniert hydraulische Optimierung, förderfähige Technik und digitales Monitoring. Unternehmerische Vorteile entstehen erst, wenn Investition, Betriebsführung und Genehmigungskette präzise verzahnt sind. Empfehlenswert ist eine Machbarkeitsstudie mit Lebenszyklus-Kostenrechnung, um das optimale System – Wärmepumpe, Hybridlösung oder Fernwärmeanschluss – objektiv zu bestimmen. Entscheider sichern sich damit planbare Kosten, niedrige CO₂-Emissionen und eine ESG-konforme Gebäudezukunft.

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