Hausautomation bei Sanierungen integrieren
Marktdynamik und regulatorischer Rahmen
Gestiegene Energiepreise, verschärfte Klimaschutzvorgaben und ein wachsender Wettbewerb um nachhaltige Gebäudepräparate rücken die hausautomation sanierung in den Fokus bayerischer Bestandsprojekte. Seit 2021 sind die durchschnittlichen Energiebezugskosten in Deutschland um mehr als ein Drittel gestiegen. Parallel verpflichtet die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) Nichtwohngebäude, bis 2030 schrittweise klimaneutral zu werden. München setzt mit kommunalen CO₂-Grenzwerten ab 2026 einen zusätzlichen Anreiz. Vor diesem Hintergrund wird die Auswahl einer skalierbaren Automationsplattform zu einem entscheidenden Faktor für langfristige Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit.
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) subventioniert intelligente Mess-, Steuer- und Regeltechnik mit bis zu 20 % der anrechenbaren Investitionssumme. Ergänzend definieren das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die DIN EN ISO 16484 verbindliche Anforderungen an die automatisierte Verbrauchserfassung. Die Einhaltung dieser Normen bildet die Grundlage für spätere Re-Audits, Taxonomie-Konformität und ESG-Reporting.
Kennzahlen und Einsparpotenziale im Bestand
Marktentwicklung
Nach Erhebungen von Bitkom Research wächst der deutsche Smart-Building-Sektor aktuell mit rund 13 % pro Jahr. Während bereits nahezu jeder zweite Neubau über eine integrierte Gebäudeautomation verfügt, liegt die Durchdringung im Bestand erst bei knapp 20 %. Dieses Gefälle macht Sanierungen zu einem wesentlichen Wachstumstreiber für Anbieter von Bau- und Gebäudetechnik.
Technische Effekte
- Heiz- und Kühlsysteme: Studien des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik zeigen bis zu 30 % Primärenergieeinsparung durch bedarfsgeführte Regelung.
- Beleuchtung: Kombination aus Präsenz- und Tageslichtsensorik reduziert den Stromverbrauch um bis zu 45 %.
- Lastmanagement: Dynamische Tarifmodelle senken Netzbezugsspitzen und verringern Leistungspreise.
Diese Werte lassen sich im Rahmen eines strukturierten Projekts auch in bestehenden Gebäuden erreichen, sofern die Automation frühzeitig in die Sanierungsplanung eingebettet wird.
Methodische Einbindung in Planung und Realisierung
Anforderungsmanagement
Ein Lastenheft bildet die Schnittstelle zwischen Investor, Planungsbüro und ausführenden Gewerken. Es legt Funktionsumfang, Systemgrenzen und Skalierbarkeit fest. Als normative Basis dienen VDI 3814 sowie die oben genannte DIN-Reihe. Eine frühe Erfassung der Automationsziele verhindert Insellösungen einzelner Fachplaner und erleichtert die Nachweisdokumentation gegenüber Förderstellen.
Finanzierungslogik
Die Wirtschaftlichkeitsberechnung sollte auf Lebenszykluskosten basieren. Neben CAPEX werden Betrieb, CO₂-Bepreisung, Wartungsintervalle und mögliche Steuererleichterungen berücksichtigt. Auf dieser Grundlage lässt sich zeigen, dass die zusätzlichen Investitionen in Sensorik, Aktorik und Cloud-Anbindung häufig unter fünf Jahren amortisieren.
Gewerkkoordinierung
Während der Ausführung entscheidet eine präzise Schnittstellenplanung zwischen Elektro, HKLS, IT-Netzwerktechnik und Brandschutz über Termine und Qualitätsnachweise. Praxisorientierte Teams arbeiten mit wöchentlichen Jour-Fixe-Routinen, prüfen EMV-Konformität und dokumentieren Änderungen digital. Die Inbetriebnahme erfolgt gemäß AMEV-Protokoll. Erst nach erfolgreichem Funktions- und Effizienztest wird die haussteuerung modernisieren als abgeschlossen bewertet.
Sektorbezogene Anwendungsfälle
Büro- und Verwaltungsgebäude
In Multi-Tenant-Objekten ermöglicht präsenzgesteuertes Licht in Verbindung mit adaptiver Lüftung eine Stromreduzierung von knapp 40 %. Ergänzende Buchungssysteme für Arbeitszonen erhöhen die Flächeneffizienz, was wiederum Mieterlöse steigert.
Hochwertiger Wohnungsbau
Luxusapartments koppeln Szenensteuerungen für Beleuchtung und Audio mit standortbasiertem Heizungs-Pre-Conditioning. Über modulare Gateways lässt sich später ohne bauliche Eingriffe ein smart home nachrüsten, etwa für Leckage-Monitoring oder Energie-Submetering.
Einzelhandel und Showrooms
Tageslichtabhängige Fassadenelemente, variable LED-Akzentuierung und Besuchertracking verlängern die Verweildauer in Shops um zweistellige Prozentwerte. Parallel ermöglicht ein integriertes Lastmanagement die Teilnahme an netzdienlichen Tarifmodellen, wodurch Spitzenleistungsgebühren sinken.
Die Kombination aus datenbasierter Analyse und normgerechter Ausführung macht Hausautomation zu einem zentralen Hebel für CO₂-Reduktion, Betriebskostensenkung und Nutzerkomfort in bayerischen Sanierungsprojekten.
Systemarchitektur und Schnittstellen
Abhängig von Baujahr, Nutzung und Ausbaugrad des Gebäudes empfiehlt sich eine skalierbare Bus-Topologie, die vorhandene Leitungen einbindet und gleichzeitig IP-basierte Erweiterungen zulässt. In der Praxis hat sich eine Layer-Struktur bewährt: Feldgeräte kommunizieren über KNX TP oder DALI, während die Management-Ebene BACnet IP nutzt. Edge-Controller aggregieren die Messdaten und bereiten sie für Cloud-Dashboards auf. Auf diese Weise lassen sich bestehende Anlagen ohne vollständigen Austausch der Verteilerschränke modernisieren. Besonders in denkmalgeschützten Objekten in München ist die nichtinvasive Verlegung von Flachbandkabeln über Sockelleisten ein entscheidender Vorteil.
Daten- und IT-Sicherheit
Mit der zunehmenden Vernetzung steigt die Angriffsfläche. Eine segmentierte VLAN-Struktur, TLS-verschlüsselte Kommunikation und rollenbasierte Zugriffskonzepte sind daher Pflicht. Der BSI-Leitfaden „Building Automation – Gefährdungslage und Maßnahmen“ liefert eine Basis, muss aber durch regelmäßige Penetrationstests ergänzt werden. Für Betreiber kritischer Infrastrukturen gilt § 8a BSIG, der spätestens ab 2024 jährliche Sicherheitsaudits verlangt. Im Ausschreibungstext sollte folglich ein Nachweis nach IEC 62443-3-3 gefordert werden, damit spätere Zertifizierungen reibungslos verlaufen.
Integration erneuerbarer Energien
PV-Dachanlagen, Batteriespeicher und Wärmepumpen entfalten ihr volles Potenzial erst durch ein übergreifendes Energiemanagement. Lastprognosen auf Basis historischer Wetter- und Verbrauchsdaten ermöglichen die Priorisierung von Eigenverbrauch gegenüber Netzeinspeisung. Netzbetreiber in Bayern honorieren dies durch vermiedene Netzentgelte und flexible Stromtarife. Eine bidirektionale Schnittstelle zum Smart-Meter-Gateway erfüllt dabei sowohl das Messstellenbetriebsgesetz als auch die Kommunikationsanforderungen des Netzbetreibers.
Monitoring und kontinuierliche Optimierung
Nach der Inbetriebsetzung ersetzt ein KPI-basiertes Monitoring traditionelle Wartungszyklen. Relevante Indikatoren sind zum Beispiel spezifischer Heizwärmebedarf, CO₂-Konzentration in ppm und Lastgangabweichungen in kW. Überschreitet ein Wert die definierte Toleranz, löst das System automatisierte Service-Tickets aus. Betreiber in Augsburg berichteten dadurch von 18 % geringeren Wartungskosten innerhalb der ersten zwei Betriebsjahre. Gleichzeitig liefert das Monitoring valide Daten für Förder-Verwendungsnachweise und ESG-Reports.
Best Practices aus bayerischen Referenzprojekten
1. Mittelständische Produktionsstätte, Regensburg: Durch Verknüpfung von Hallenlüftung, LED-Beleuchtung und PV-Speicher wurden die jährlichen Stromkosten um 110 MWh reduziert. Die Amortisationszeit betrug 3,8 Jahre.
2. Mehrfamilienhaus, Garmisch-Partenkirchen: Die Entscheidung, die haussteuerung modernisieren zu lassen, erfolgte parallel zur Fassadendämmung. Ein kombiniertes Fenster-Kontakt-System schaltet Heizkreise ab, sobald ein Fenster länger als drei Minuten offensteht. Ergebnis: 24 % weniger Heizenergie.
3. Hotel, Innenstadt München: Ein zentrales BMS koordiniert Reservierungsdaten mit Raumklima-Parametern. Die Zimmer werden erst vor Anreise angeheizt oder gekühlt. Innerhalb von zwölf Monaten sank der Primärenergiebedarf um 28 %, bei gleichzeitiger Steigerung der Gästebewertung im Segment „Komfort“ um 0,4 Punkte.
Fehlerquellen und Risikomanagement
Häufigste Ursachen für Budgetüberschreitungen sind unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Datenpunkte in den Lüftungs- oder Heizkreisverteilern. Ein digitales Raumbuch mit hinterlegten Sensor-IDs minimiert diese Risiken. Darüber hinaus sollte der Vergabevertrag Meilensteine zur Funktionsprüfung und eine Pönale für Terminverzug enthalten. In Bayern hat sich eine Kombination aus VOB Teil C und Zusatzbedingungen zur Gebäudeautomation etabliert. Bei projektinternen Änderungen kann ein agiler Change-Request-Prozess zusätzliche Nachträge um bis zu 40 % reduzieren.
Fördermittel optimal ausschöpfen
Die BEG-Einzelmaßnahme „Anlagentechnik“ sieht aktuell bis zu 1.000 € Bonus pro Wohneinheit für die Einbindung intelligenter Systeme vor. In Industriegebäuden lassen sich Investitionskosten durch das bayerische Förderprogramm „Energiekredit Plus“ um bis zu 30 % finanzieren. Voraussetzung ist eine nachvollziehbare Darstellung der CO₂-Einsparung. Projektentwickler sollten daher bereits in der Vorplanung eine förderfähige hausautomation sanierung in die Berechnungs-Software (z. B. IDA ICE) integrieren.
Schnittstelle zu Mietern und Facility Management
Eine intuitive Benutzeroberfläche erhöht die Akzeptanz und verhindert Fehlbedienungen. Dashboards in deutscher und englischer Sprache sollten Echtzeitwerte, Historienverläufe und Verbrauchsvergleiche abbilden. Für Mieter bietet ein optionales Modul die Möglichkeit, individuelle Sollwerte innerhalb definierter Grenzen anzupassen. In Pilotobjekten in Oberbayern ließ sich der manuelle Supportaufwand so um 35 % senken.
Retrofitting im Kleingewerbe
Für kleinflächige Läden oder Praxen reicht oft ein Funk-Retrofit. Batteriegestützte Multi-Sensoren werden ohne Stemmarbeiten angebracht und über MQTT in eine lokale Steuerbox eingebunden. Das ermöglicht es, selbst nachträglich ein smart home nachrüsten zu können, ohne laufenden Betrieb zu stören. Wichtig ist eine sorgfältige Funkausleuchtung; meterdicke Ziegelwände in Altbauten können die Reichweite signifikant begrenzen.
Ausblick auf regulatorische Entwicklungen
Die Novelle des GEG 2025 wird voraussichtlich Mindestanforderungen an die automatisierte Einzelraumregelung in Nichtwohngebäuden festschreiben. Parallel plant die EU eine Ausweitung der EPREL-Datenbank, damit Betriebskosten für Nutzer transparent werden. Unternehmen, die bereits heute auf offene Protokolle und updatefähige Steuerungen setzen, minimieren spätere Nachrüstpflichten.
Fazit
Hausautomation steigert die Energieeffizienz, sichert Normkonformität und schafft Wettbewerbsvorteile. Entscheidend sind eine offene Systemarchitektur, frühzeitige Fördermittelplanung und ein durchgängiges Sicherheitskonzept. Unternehmen, die Planung, Ausführung und Monitoring integrativ denken, erreichen schnelle Amortisationen und nachhaltige CO₂-Reduktionen.
Falls Sie eine ausführlichere Beratung oder ein konkretes Angebot wünschen, senden Sie uns eine Anfrage:
👉 Kontaktformular
Oder nutzen Sie unser Anfrageformular:
👉 Zum Angebotsformular
Fragen zu unseren Dienstleistungen oder individuelle Anforderungen?






