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Energiesparen im Altbau: Dringende Maßnahmen und Fördermöglichkeiten für bayerische Immobilienbesitzer im Zeichen steigender Energiekosten und neuer Gesetze

Energiesparen im Altbau: Dringende Maßnahmen und Fördermöglichkeiten für bayerische Immobilienbesitzer im Zeichen steigender Energiekosten und neuer Gesetze

Energiesparen Altbau Bayern: Effiziente Strategien für gewerblichen Bestand

Steigende Energiepreise, ehrgeizige Klimaziele und ein angespannter Arbeitsmarkt verändern die Rahmenbedingungen für Immobilien im Großraum München. Eigentümerinnen und Eigentümer gewerblich genutzter Altbauten sehen sich daher verstärkt mit der Aufgabe konfrontiert, energetische Schwachstellen wirtschaftlich auszuräumen. Der Beitrag beleuchtet, weshalb das Thema aktuell hohe Relevanz besitzt, auf welche regulatorischen Vorgaben es ankommt und wie Altbausanierung Erfahrungen aus Bayern in erfolgreiche Projekte überführt werden.

Marktentwicklung und Kostentreiber

Nach Auswertungen regionaler Energieversorger haben sich die Betriebskosten für nicht-wohnwirtschaftliche Immobilien im Süden Bayerns in den letzten drei Jahren um rund ein Drittel erhöht. Parallel dazu definiert die EU-Taxonomie verschärfte Mindestanforderungen an CO₂-Intensität und Offenlegungspflichten. Die Kombination aus Preisentwicklung und steigenden Offenlegungspflichten setzt Kapitalwerte unter Druck, sobald eine Liegenschaft energetisch hinter dem Marktdurchschnitt zurückbleibt.

Im Regierungsbezirk Oberbayern stammen laut Studie der Bayerischen Ingenieurekammer (2023) etwa 60 % der gewerblich genutzten Gebäude aus Baujahren vor 1980. Der mittlere Endenergiebedarf liegt dort bei 220 kWh/m²a. Moderne Effizienzgebäude (EH 40-Standard) erreichen dagegen rund 40 kWh/m²a, sodass realistisch bis zu 80 % Einsparpotenzial vorhanden ist. Der IHK-Konjunkturbericht prognostiziert Amortisationszeiten von fünf bis neun Jahren für Kernmaßnahmen wie Dämmung, Anlagentechnik oder Photovoltaik-Integration – abhängig von Nutzung, Förderung und Energieträger.

Regulatorischer Rahmen und Förderkulisse

Gesetzliche Vorgaben

Das novellierte Gebäudeenergiegesetz (GEG 2024) verlangt ab 2026 schrittweise einen 65-Prozent-Anteil erneuerbarer Energien beim Ersatz fossiler Heizsysteme. Für bestehende Öl- und Gasheizungen steigen damit sukzessive die Anforderungen. Unternehmen, die Sanierungen heute anstoßen, sollten zukünftige Grenzwerte bereits einplanen, um Doppelinvestitionen zu vermeiden.

Förderinstrumente

  • Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – Zuschüsse für Einzelmaßnahmen und Komplettsanierungen
  • KfW-Programme 263/264 – zinsverbilligte Darlehen inklusive Tilgungszuschüssen
  • § 35c EStG – steuerliche Sonderabschreibung für energetische Sanierungsmaßnahmen
  • LfA-Energiekredit Bayern – ergänzende Landesmittel für regionale Vorhaben

Förderstellen verlangen in der Regel eine belastbare Bestandsaufnahme sowie eine qualifizierte Fachplanung. Erst nach Vorliegen einer positiven Förderzusage dürfen Aufträge ausgelöst werden.

Energieeffizienz Praxis: Von der Analyse bis zur Umsetzung

Bestandsanalyse und Sanierungsfahrplan

Ein systematischer Einstieg beginnt mit thermografischen Aufnahmen, Blower-Door-Tests und Materialuntersuchungen. Auf Basis dieser Daten entsteht ein Sanierungsfahrplan mit zeitlich gestaffelten Maßnahmenpaketen. Das Vorgehen minimiert Nutzungsunterbrechungen und ordnet Maßnahmen nach technischer Abhängigkeit und Verfügbarkeit von Förderfenstern.

Wirtschaftliche Betrachtung

Für Investitionen im sechs- bis siebenstelligen Bereich bewähren sich Finanzierungsstrukturen, die zinsgünstige Darlehen, Tilgungszuschüsse und Eigenmittel kombinieren. Neben der Kapitalwertmethode hat sich die Total-Cost-of-Ownership-Analyse als Entscheidungsgrundlage etabliert, um Betriebskosteneffekte vollständig abzubilden.

Ausführungsmanagement

Während des laufenden Geschäftsbetriebs erfordert die Baustellenlogistik besondere Aufmerksamkeit. Staub- und Schallschutzwände, Just-in-Time-Lieferungen sowie Montagefenster außerhalb der Spitzenzeiten sichern die Betriebsfähigkeit. Digitale Modelle (BIM) erleichtern die Koordination zwischen Planung, Nachunternehmern und Fachbehörden. Echtzeit-Sensorik dokumentiert Baustellenfortschritte und ermöglicht Qualitätsnachweise ohne Verzögerung.

Beispielhafte Projektergebnisse

„Ein denkmalgeschütztes Verwaltungsgebäude Baujahr 1908 erreichte nach Fenstertausch, Innendämmung aus Kalziumsilikat und Brunnenwasser-Wärmepumpe eine Reduktion des Primärenergiebedarfs um 68 %.“

Die Kombination aus baulichen und anlagentechnischen Maßnahmen führte neben sinkenden Betriebskosten zu stabileren Raumklimawerten. Ähnliche Effekte zeigen Projekte im gehobenen Wohnsegment sowie in Einzelhandelszeilen, wo Innendämmung, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und LED-Technik Warmmieten stabilisieren und Mietvertragslaufzeiten verlängern.

Branchenspezifische Schwerpunkte

  1. Büro- und Verwaltungsbauten – Fokus auf Fenstertechnik, adaptive Lüftungskonzepte und Wärmepumpensysteme mit Grundwassernutzung.
  2. Hochwertige Wohnobjekte – Holzfaserfassaden, Aufstockungen mit PV-Flächen und Smart-Building-Infrastruktur zur Senkung der Nebenkosten.
  3. Einzelhandel und Gewerbe – schlanke Innendämmungen, rückbaubare Lüftungsgeräte und LED-Lichtsysteme zur Reduzierung stromintensiver Lastspitzen.

Materialwahl und Konstruktionsdetails

Die Wahl der Baustoffe entscheidet im Bestand häufig darüber, ob rechnerische Einsparpotenziale auch baupraktisch erreichbar sind. In Ziegel- und Mischmauerwerk typischer Münchner Altbauten bewährt sich kapillaraktive Innendämmung aus Kalziumsilikat oder Holzfaser, weil sie Feuchte ausgleichen und Schimmelrisiken minimieren. Bei Betonrahmenbauten aus den 1970er-Jahren lassen sich Vakuumdämmplatten oder Hochleistungs-Mineralschaum einsetzen, um bei begrenzten Fassadendicken die geforderte U-Wert-Verbesserung zu erzielen. Ergänzend halten glasfaserverstärkte Kunststoffe für Fensteranschlussprofile Wärmebrücken unter Kontrolle. Erprobte Altbausanierung Erfahrungen zeigen, dass eine sorgfältige Detailplanung – insbesondere an Deckenrändern und Attiken – Wärmeverluste um bis zu 15 % reduziert, ohne die Architektur zu verändern.

Anlagentechnik: Wärmepumpen, KWK und Speicher

Im gewerblichen Bestand verschiebt sich der Fokus von konventionellen Heizkesseln zu hybriden Systemen. Grundwasser- und Erdsondenwärmepumpen erreichen in Oberbayern wegen günstiger Quelltemperaturen Jahresarbeitszahlen von 4,0 und mehr. Kombiniert mit gasbetriebenen Blockheizkraftwerken (BHKW) decken sie Spitzenlasten ab und liefern zugleich Strom für die Eigenversorgung. Pufferspeicher mit 200 bis 500 Litern pro 100 kW Heizleistung glätten Lastverläufe und erhöhen den Anteil erneuerbarer Energien. Für Gewerbeobjekte mit hohen Stromlastspitzen empfiehlt sich darüber hinaus die Integration von Lithium- oder Redox-Flow-Speichern, um Photovoltaik-Erträge in Lastzeiten zwischenzuspeichern und Einspeisemanagementkosten zu senken.

Digitales Monitoring und Betriebsoptimierung

Ist die Technik eingebaut, entscheidet der laufende Betrieb über den Energieverbrauch. Smarte Zähl- und Fühlertechnik liefert Kennzahlen zu Raumtemperatur, Feuchte, Strom- und Wärmedurchfluss in 15-Minuten-Intervallen. KI-basierte Regelalgorithmen passen Sollwerte an Wetterprognose, Belegungsgrad und Stromtarif an. Praxisprojekte in München zeigen, dass der kontinuierliche Abgleich von Soll- und Ist-Werten Einsparungen von durchschnittlich 8 % zusätzlich zur baulichen Sanierung ermöglicht. Digitales Monitoring bildet zugleich die Grundlage, um Fördergebern und Versicherern nachzuweisen, dass bestimmte Zielwerte eingehalten werden.

Contracting und Betreiber-Modelle

Unternehmen mit begrenztem Eigenkapital wählen zunehmend Energie-Contracting. Ein externer Dienstleister plant, finanziert und betreibt die neue Anlagentechnik über Vertragslaufzeiten von meist 10 bis 15 Jahren. Die Vergütung erfolgt über eine indexierte Energiebezugsgröße, womit Bilanzverluste vermieden und Liquidität geschont wird. Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet das geringere technische Risiken und planbare Kosten. Wichtig ist, die Schnittstellen zwischen Eigentümerpflichten und Betreiberverantwortung eindeutig zu definieren, damit die Anforderung an Betriebssicherheit und Gewährleistung erfüllt bleibt.

Vergabestrategien und Fachkräftebindung

Der Markt für qualifizierte Ausbau- und TGA-Fachkräfte ist in Bayern angespannt. Öffentliche Ausschreibungen mit funktionaler Leistungsbeschreibung verschaffen Planungsspielräume, erhöhen aber den Koordinationsbedarf in der Ausführung. Alternativ bündeln Generalübernehmer alle Gewerke und reduzieren Schnittstellen, was bei komplexen Altbauten die Termin- und Kostensicherheit verbessert. Eigenständige Schulungsprogramme, bspw. zur fachgerechten Verarbeitung von Lehm- und Holzfasermaterialien, binden Spezialkräfte und sichern eine gleichbleibende Qualität.

Risikomanagement und Versicherbarkeit

Jede Intervention am Bestand birgt bauphysikalische Risiken wie Tauwasserbildung oder Lastumlagerungen. Eine Vorab-Simulationsrechnung nach DIN 4108-3 und DIN 68800-2 belegt die Dauerhaftigkeit des Systems. Bauherren sollten zudem prüfen, ob bestehende Gebäudeversicherungen energetische Umbauten in der Police abdecken. Einige Versicherer honorieren Effizienzmaßnahmen mit Prämiennachlässen, sofern ein zertifizierter Energieauditbericht vorliegt. Beim Einsatz von Photovoltaik empfiehlt sich eine erweiterte Elektronikversicherung, um Ertragseinbußen durch Netzausfälle oder Hagelschäden abzudecken.

Ausblick: EU-Taxonomie und ESG-Reporting

Ab 2025 müssen Kapitalgesellschaften im Freistaat detaillierte Angaben zur CO₂-Intensität ihrer Immobilien in den Lagebericht aufnehmen. Geringere Emissionswerte verbessern den Zugang zu Green Loans und beeinflussen Rating-Modelle regionaler Banken. Wer Energieeffizienzmaßnahmen frühzeitig umsetzt, sichert sich nicht nur stabile Betriebskosten, sondern positioniert das Objekt als zukunftsfähiges Anlageprodukt. ESG-konformes Reporting verlangt jedoch belastbare Datenstrukturen, die NA-ESG-Kriterien und das GEG gleichzeitig bedienen. Digitale Gebäudepässe, gespeist aus BIM-Modellen und Monitoring-Daten, schaffen die notwendige Transparenz.

Fazit

Energieeffiziente Altbauten im Großraum München sind realisierbar, wenn Baustoffauswahl, Anlagentechnik und digitales Monitoring ineinandergreifen. Investitionsentscheidungen gewinnen durch Contracting-Modelle und belastbare Förderkulissen an Planungssicherheit. Sorgfältiges Risikomanagement und ESG-taugliche Datenerfassung erhöhen zudem den Immobilienwert. Unternehmen, die jetzt systematisch vorgehen, reduzieren Energiekosten, vermeiden regulatorische Fallstricke und sichern sich Wettbewerbsvorteile.

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