Holzfenster und Kunststofffenster im Energievergleich bei Sanierungen in Bayern
Ausgangslage: Energiepreise, Klimaziele und gesetzliche Vorgaben
Im Großraum München zwingt die Kombination aus hohen Heizkosten und ambitionierten Klimaschutzzielen Eigentümer zu raschen Entscheidungen über die Gebäudehülle. Seit der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) 2024 darf der Wärmedurchgangskoeffizient Uw bei Bestandsfenstern maximal 1,3 W/(m²·K) betragen. Weitere Verschärfungen sind ab 2026 absehbar, um die EU-Energieeffizienzrichtlinie umzusetzen. Parallel sind die Arbeitspreise für Wärme gegenüber 2021 im Schnitt um rund 30 % gestiegen. Fenster mit optimierten U-Werten reduzieren den Heizwärmebedarf deshalb um bis zu einem Viertel und gelten als schnell wirksame Sanierungsmaßnahme. Fördermittel – etwa aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude – stehen zwar zur Verfügung, sind jedoch zeitlich begrenzt, was den Handlungsdruck zusätzlich erhöht.
Technische Kennwerte von Holzfenstern und Kunststofffenstern
Relevante Energieparameter
Für die energetische Bewertung eines Fensters sind drei Faktoren maßgeblich:
- Uw: gesamter Wärmedurchgangskoeffizient von Rahmen, Verglasung und Abstandhaltern
- Psi-Wert: Wärmebrückenverlust entlang der Glaskante
- Luftdichtheit: Qualität der Anschlüsse und Dichtungsebenen
Sowohl Holz- als auch PVC-Systeme erreichen bei sorgfältiger Planung ausgezeichnete Werte, unterscheiden sich aber in ihren materialbedingten Eigenschaften.
Holz als Rahmenwerkstoff
Mehrschichtige Massivholzprofile verfügen über eine geringe Wärmeleitfähigkeit; Uf-Werte von 1,2 – 1,4 W/(m²·K) sind üblich. Mit dreifacher Isolierverglasung lassen sich Uw-Werte bis 0,78 W/(m²·K) erzielen. Das hygroskopische Verhalten unterstützt ein ausgeglichenes Innenraumklima und reduziert Kondensatbildung. Hohe Eigensteifigkeit ermöglicht große Flügelabmessungen. Beschichtungen oder Lasuren schützen das Material allerdings nur begrenzt: Erhaltungsintervalle von fünf bis sieben Jahren, mit modernen Systemen bis zu zehn Jahren, sind realistisch.
Kunststoff (PVC) als Rahmenwerkstoff
PVC-Mehrkammerprofile nutzen eingeschlossene Luftzellen zur Dämmung. Uf-Werte zwischen 1,1 und 1,3 W/(m²·K) sowie Uw-Werte um 0,74 – 0,82 W/(m²·K) sind erreichbar und liegen damit auf dem Niveau hochwertiger Holzrahmen. Die Oberfläche ist wartungsarm und witterungsbeständig. Bei sehr großen Elementen kann jedoch das Durchbiegungsverhalten problematisch werden; Stahl- oder Glasfaserverstärkungen erhöhen die Stabilität, verschlechtern aber leicht die thermischen Kennwerte. Brandschutztechnisch gilt PVC als normal entflammbar und setzt im Brandfall Chlorwasserstoff frei, was bei Sonderbauten zu ergänzenden Maßnahmen führt.
Lebenszyklus, Nachhaltigkeit und Markttrends
Bayern strebt Klimaneutralität bis 2040 an, weshalb Bauherren den gesamten CO2-Fußabdruck eines Bauteils betrachten. Ökobilanzen zeigen, dass Holzrahmen während Herstellung und Entsorgung bis zu 45 % weniger Primärenergie benötigen und über die Nutzungsdauer Kohlenstoff speichern. PVC-Fenster sind grundsätzlich recycelbar; das notwendige Kreislaufsystem deckt derzeit jedoch erst rund ein Drittel der anfallenden Abfälle. Projekte, die sich an ESG-Kriterien oder der EU-Taxonomie orientieren, werten Holzrahmen daher häufig besser.
Marktzahlen des Instituts für Fenstertechnik Rosenheim belegen einen deutschlandweiten Anteil von 19 % für Holz- und 56 % für Kunststofffenster. Im Premiumsegment nahm der Holzanteil zuletzt leicht zu, insbesondere in repräsentativen Bauvorhaben in München, weil dort sichtbare Nachhaltigkeit und Materialauthentizität an Bedeutung gewinnen.
Wirtschaftliche Betrachtung im Lebenszyklus
Die Investition in Holzrahmen liegt im Durchschnitt rund 15 % über der von PVC-Profilen. Für eine fundierte Entscheidung ist jedoch der gesamte Lebenszyklus entscheidend. Pflegeoptimierte Beschichtungen senken die jährlichen Instandhaltungskosten auf etwa 1 €/m² Fensterfläche. Längere Nutzungsdauern und ein höherer Restwert kompensieren häufig die Mehrinvestition. Projektanalysen zeigen, dass die Kapitalwertdifferenz zwischen beiden Systemen nach 30 Jahren bei weniger als 2 % liegen kann, wenn Energieeinsparungen, Wartung und Rückbau einbezogen werden. In Finanzierungsmodellen mit ESG-Bewertung schneidet der Werkstoff Holz gelegentlich sogar günstiger ab, weil er positive Effekte auf Nachhaltigkeitsratings hat.
Planung, Ausschreibung und Ausführung
Energie- und Lüftungskonzept
Ein klar definiertes Ziel für den Uw-Wert sowie eine abgestimmte Lüftungsstrategie erleichtern die Materialwahl. Das GEG fordert seit 2023 eine Lüftungskonzeption, sobald Fenster getauscht werden, um hygienische Luftwechsel sicherzustellen.
Bauanschluss und Montagequalität
Die energetischen Kennwerte eines Fensters bleiben nur erhalten, wenn der Einbau fachgerecht erfolgt. Empfehlenswert ist ein diffusionsoffener Aufbau außen und eine luftdichte Ebene innen. Holzrahmen reagieren empfindlich auf Baufeuchte; Estrich- und Putzarbeiten sollten daher abgeschlossen sein, bevor die Elemente eingebaut werden. Kunststoffrahmen tolerieren höhere Feuchten, weisen jedoch größere thermische Längenänderungen auf, weshalb elastische Fugen und ausreichend Toleranzräume erforderlich sind.
Branchenspezifische Praxisbeispiele
Büro- und Verwaltungsgebäude
Eine viergeschossige Verwaltungsimmobilie in Freising reduzierte durch den Einsatz von Holz-Aluminium-Verbundfenstern mit einem Uw von 0,80 W/(m²·K) den jährlichen Fernwärmeverbrauch um 18 %. Die Maßnahme zahlte unmittelbar auf die Gebäudeklassifizierung nach gängigen Zertifizierungssystemen ein und führte zu höheren Mieterlösen.
Luxuswohnen und Bestandsvillen
Bei der Sanierung einer Villa in Grünwald wurden handgefertigte Eichenfenster mit verdeckt liegenden Beschlägen und dreifacher Verglasung verbaut. Die Außenansicht erhielt eine hinterlüftete Aluminiumdeckschale, wodurch regelmäßige Anstriche entfallen. Neben der energetischen Verbesserung stand die architektonische Wertigkeit im Fokus.
Einzelhandels- und Publikumsflächen
Ein Münchner Flagship-Store entschied sich für PVC-Fenster mit Stahlkern, um robuste und reinigungsfreundliche Oberflächen zu erhalten. Die Kombination aus Mehrkammerprofil und hochtransparenter Beschichtung senkte die Heizkosten um 12 %. Die jährliche Wartung beschränkt sich auf Sichtkontrollen der Dichtungen und Beschläge.
Schallschutz und Raumakustik
In Ballungsgebieten wie München liegt der Verkehrslärm regelmäßig über 60 dB(A). Der Schallschutzindex Rw eines Fensters entscheidet, ob Büronutzer oder Bewohner störungsfrei arbeiten können. Holzfenster erreichen durch die höhere Rahmenmasse bei identischer Verglasung oft 1–2 dB bessere Werte als Kunststofffenster. Wird ein Schalldämmmaß von ≥ 40 dB gefordert, lassen sich beide Werkstoffe mit Verbund-Sicherheitsglas und größeren Scheibenzwischenräumen ausstatten; den entscheidenden Beitrag liefert hierbei ein luftdichter Anschluss an Laibung und Fensterbrett. Unzureichende Abdichtung senkt das reale Schalldämmmaß um bis zu 5 dB, weshalb eine Schallmessung nach DIN 4109-4 empfohlen wird.
Feuchteschutz und Oberflächentemperaturen
Der Temperaturfaktor fRsi gibt an, wie weit die Innenoberfläche eines Fensters unter kalten Randbedingungen auskühlt. Holzprofile besitzen aufgrund der geringen Wärmeleitung eine höhere Oberflächentemperatur und reduzieren damit das Schimmelrisiko in kritischen Zonen. Kunststoffrahmen gleichen dies durch zusätzliche Dämmkammern und warme Kanten aus Edelstahl oder Kunststoff aus. In Kellergeschossen und unbeheizten Nebenräumen sollten Bauherren dennoch Kondensationsberechnungen nach WTA-Merkblatt 6-5 anstellen. Bei relativen Innenfeuchten von über 60 % ist der Einbau einer Lüftungseinrichtung mit Feuchteregelung ratsam, um dauerhaft den Tauwasserausfall zu minimieren.
Förderkulisse und steuerliche Abschreibung
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst den Fenstertausch aktuell mit bis zu 15 % der förderfähigen Kosten und gewährt einen zusätzlichen Klimabonus von 5 % bei Erreichen eines Uw-Werts von ≤ 0,80 W/(m²·K). Für Unternehmen kommt die degressive AfA nach § 7c EstG hinzu, die eine beschleunigte Abschreibung energetischer Sanierungsmaßnahmen erlaubt. In Bayern ergänzt die Bayerische Klimaschutzoffensive die Bundesmittel durch zinsgünstige Darlehen der LfA Förderbank. Voraussetzung ist stets eine technische Projektbeschreibung inklusive Wärmebrückenbilanz. Holzfenster können dank ihres geringeren Primärenergiebedarfs zusätzliche Punkte im Bonusmodul „nachhaltige Baustoffe“ erzielen, was die Gesamtförderquote um bis zu 2 % anhebt.
Genehmigungs- und Denkmalschutz
In Ensemble- und Einzeldenkmälern verlangt die Bayerische Bauordnung eine denkmalgerechte Ausführung. Kunststofffenster sind deshalb nur in Einzelfällen zulässig, wenn sie eine authentische Profilierung nachbilden und farblich angepasst werden. Holzfenster lassen sich dagegen einfacher an historische Vorbilder anlehnen; schmale Flügelprofile und klassische Wetterschenkel werden von der Unteren Denkmalschutzbehörde in München häufig bevorzugt. Für energetische Verbesserungen kann ein Wärmeschutznachweis nach § 26 GEG entfallen, sofern die äußere Erscheinung nicht beeinträchtigt wird. Gleichwohl bleibt der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 verbindlich.
Brandschutztechnische Bewertung
Gebäude der Gebäudeklasse 4 und höher benötigen nach Art. 28 BayBO häufig Fenster mit Feuerwiderstandsklasse EI30 an Rettungswegen. Holzfenster können diese Klassifizierung durch intumeszierende Beschichtungen und mehrlagige Sperrholzaufbauten erreichen. Bei Kunststofffenstern ist ein eigenständiger Feuerwiderstand kaum darstellbar; hier werden Brandschutzverglasungen in Kombination mit Systemzargen aus Stahl oder Aluminium eingesetzt. Entscheidend ist die Übereinstimmungserklärung des Herstellers gemäß Muster-Verwendbarkeitsnachweis. Frühzeitige Abstimmung mit dem Brandschutzplaner verhindert kostenintensive Systemwechsel in der Ausführungsphase.
Digitale Planung und BIM-Daten
Bauvorhaben in München nutzen zunehmend Building-Information-Modeling, um energetische Kennwerte in Echtzeit auszuwerten. Hersteller hochwertiger Holz- und Kunststofffenster stellen BIM-Objekte im IFC-Format bereit, die Uf-, Uw– und Psi-Werte, Schallschutzklassen sowie Recyclingquoten beinhalten. Dadurch lassen sich Variantenvergleiche innerhalb weniger Minuten durchführen. Für Ausschreibungen nach VOB/C können Leistungsverzeichnisse direkt aus dem Modell exportiert werden. Erfahrungen zeigen, dass Planungsteams bis zu 20 % der Koordinationszeit einsparen, wenn Fenstermodelle inklusive Anschlusssituationen digital vorliegen.
Qualitätssicherung nach Einbau
Der energetische Erfolg des Fenstertauschs lässt sich über ein zweistufiges Verfahren belegen. Stufe 1 umfasst eine Blower-Door-Messung bei 50 Pa Unterdruck zur Identifikation verdeckter Leckagen. Werte unter 1,5 h⁻¹ sind für Nichtwohngebäude realistisch und erfüllen die GEG-Anforderungen. Stufe 2 beinhaltet eine Infrarotthermografie während der ersten Heizperiode, mit der sich Fehlstellen in der Dämmkammer oder am Rollladenkasten sichtbar machen lassen. Die Kombination beider Verfahren reduziert Reklamationskosten um bis zu 60 % und erhöht nachweisbar die Mieterzufriedenheit.
Wartung, Instandhaltung und Rückbau
Zur Sicherung der Garantieleistungen schreiben viele Hersteller eine jährliche Sichtprüfung der Beschläge und Dichtungen vor. Holzfenster benötigen zusätzlich eine Kontrolle der Lasur, wobei kleinere Ausbesserungen ohne Gerüst möglich sind. Bei Kunststofffenstern sollten vor allem die Entwässerungsöffnungen gereinigt werden, um Stauwasser zu vermeiden. Der geplante Rückbau gewinnt im Zuge der neuen Mantelverordnung an Bedeutung: Rahmen aus sortenreinem PVC lassen sich in Bayern bereits in vier Recyclinganlagen aufbereiten, während Holzrahmen als naturbelassener Bauabfall thermisch verwertbar sind und gleichzeitig regenerative Energie liefern. Eine frühzeitige Materialdeklaration im Bautagebuch erleichtert die spätere Entsorgung und schont das Umweltbudget.
Risikoanalyse und Versicherung
Versicherer berücksichtigen zunehmend ESG-Kriterien bei der Prämienkalkulation. Gebäude mit nachweislich geringeren CO₂-Emissionen erhalten bis zu 5 % Rabatt auf die Sachversicherung. Holzfenster verbessern dabei die Ökobilanz, erhöhen aber das theoretische Brandrisiko. Um Zuschläge zu vermeiden, sollten Brandschutzgutachten die Feuerwiderstandsdauer der Konstruktion dokumentieren. Kunststofffenster gelten als weniger wartungsintensiv, was Versicherer im Bereich Betriebsunterbrechung positiv bewerten. Eine objektbezogene Risikoanalyse erlaubt es, die Vorteile beider Werkstoffe gezielt zu nutzen und die Gesamtrisikokosten zu senken.
Ausblick auf kommende Normen und Marktentwicklungen
Die Überarbeitung der DIN EN 14351-1 wird voraussichtlich strengere Anforderungen an die Luftdurchlässigkeit und den Schlagregenschutz stellen. Hersteller entwickeln bereits Prototypen mit integrierten Dichtungsebenen und nachjustierbaren Beschlägen, die sowohl bei Holzfenstern als auch bei Kunststofffenstern eine Klasse 4 erfüllt halten. Parallel steigt die Nachfrage nach recyclingfähigen Materialien: Mehrkammerprofile mit Rezyklatkern und Holzprofile aus heimischer Fichte werden von öffentlichen Auftraggebern bevorzugt. Bis 2030 könnte der Marktanteil dieser Hybridlösungen in Bayern laut aktuellen Studien auf über 30 % steigen.
Fazit
Holzfenster punkten mit hervorragender Ökobilanz, hoher Oberflächentemperatur und Flexibilität bei Denkmalschutzauflagen. Kunststofffenster überzeugen durch Wartungsarmut, robusten Schallschutz bei industrieller Fertigung und ein attraktives Preisniveau. Entscheidend für Bauherren in Bayern sind die spezifischen Projektparameter: Schallschutzbedarf, Brandschutzklasse, ESG-Rating und Fördermöglichkeiten. Eine integrale Planung mit BIM-Daten, Qualitätskontrolle vor Abnahme und eine vorausschauende Rückbaustrategie sichern den wirtschaftlichen Erfolg beider Systeme.
Falls Sie eine ausführlichere Beratung oder ein konkretes Angebot wünschen, senden Sie uns eine Anfrage:
👉 Kontaktformular
Oder nutzen Sie unser Anfrageformular:
👉 Zum Angebotsformular






