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Brandschutz 2025 in Bayern: Neue Anforderungen für sanierte Gebäude und ihre Auswirkungen auf die Bauwirtschaft und Immobilieninvestitionen

Brandschutz 2025 in Bayern: Neue Anforderungen für sanierte Gebäude und ihre Auswirkungen auf die Bauwirtschaft und Immobilieninvestitionen

Brandschutz in sanierten Gebäuden 2025: Normen, Wirtschaftlichkeit und Umsetzung im Großraum München

Ausgangslage des Bestands und steigende Anforderungen

Mehr als die Hälfte der gewerblich genutzten Immobilien in Oberbayern stammt aus Baujahren vor 1995. Viele dieser Objekte wurden nach damals gültigen Richtlinien geplant und erfüllen heutige Vorgaben an Feuerwiderstand, Entrauchung sowie Selbstrettung nur eingeschränkt. Zugleich steigt der ökonomische Wert der Anlagen und Einrichtungen in den Gebäuden. Ein Brandereignis verursacht daher nicht nur Bauschäden, sondern unterbricht Lieferketten, Forschung oder Premium-Retail. Die zum Jahreswechsel 2024/2025 vollständig anzuwendende Bayerische Bauordnung verschärft die Nachweispflicht: Jede wesentliche Änderung löst ein gesamtheitliches Brandschutzgutachten aus, das bauliche, anlagentechnische und organisatorische Maßnahmen in neuer Qualität nachweist.

Datengrundlagen und regulatorischer Rahmen

Schadensstatistik und Versicherungswirtschaft

Versicherer verzeichneten 2022 bundesweit rund 2,4 Mrd. € an Brandschäden in Gewerbeobjekten. Untersuchungen der Technischen Universität München führen knapp 70 % dieser Schäden auf Defizite im vorbeugenden Brandschutz zurück. Gleichzeitig zeigen Sanierungsprojekte mit verbesserter Feuerwiderstandsklasse Einsparungen bei Property-Prämien von bis zu 20 %.

Gesetze, Richtlinien und Normen ab 2025

  • BayBO 2025: Erweiterte Nachweispflicht für Rettungswegsicherung, Rauchableitung und Brandabschnitte.
  • DIN 4102 und EN 13501: Fortgeltende Klassifizierung von Baustoffen und Bauteilen.
  • prEN 16925-2: Neue Vorgaben für Kleinsprinkleranlagen in Wohn- und Mischnutzungen.
  • § 14a EnSiG: Kopplung von Notstromfähigkeit und brandschutztechnischen Einrichtungen.
  • KfW-Programm 263: Förderfähigkeit von Brandschutzmaßnahmen in Verbindung mit energetischer Sanierung.
  • Art. 10 BayFAG: Investitionszuschüsse für kommunale Gebäude, wenn baulicher Brandschutz nachgewiesen ist.

Integraler Planungsprozess

Bestandsanalyse und Zieldefinition

Am Anfang steht die systematische Aufnahme des vorhandenen Zustands. Wand- und Deckenkonstruktionen werden hinsichtlich ihrer Feuerwiderstandsdauer klassifiziert, Flucht- und Rettungswege auf Bemessung und Führung geprüft. Technische Anlagen wie Sprinkler- oder Rauchabzugsanlagen werden auf Funktionsfähigkeit und Regelkonformität bewertet. Aus den Ergebnissen wird das Schutzziel festgelegt: Personensicherheit, Sachwertschutz oder Aufrechterhaltung kritischer Prozesse. Die Gewichtung dieser Ziele bestimmt die Auslegung des folgenden Konzepts.

Erstellung eines integralen Brandschutzkonzepts

Das Konzept verknüpft drei Ebenen:

  1. Bauliche Maßnahmen: Bildung oder Anpassung von Brandabschnitten, Abschottung von Leitungsdurchführungen, Auswahl nicht brennbarer Deckschichten.
  2. Anlagentechnische Komponenten: Sprachalarmierung, Druckbelüftung, Brandmelde- und Sprinkleranlagen, jeweils mit Nachweis nach VdS oder DIN 14675.
  3. Organisatorische Vorkehrungen: Räumungsleitfäden, Unterweisungen und Wartungszyklen, dokumentiert in einer brandschutzrechtlichen Gebäudedatei.

Bereits in dieser Phase werden potenzielle Förderprogramme und die künftige Versicherungsprämie kalkuliert, sodass sich ein belastbarer Business-Case für die Bauherrschaft erstellen lässt.

Baudurchführung und Qualitätssicherung

Koordination der Gewerke

Abbruch, Rohbauertüchtigung, technische Gebäudeausrüstung und Ausbau greifen ineinander. Eine digitale Bauakte mit BIM-Modell erlaubt es, Planabweichungen in Echtzeit zu erkennen und auf Prüfsachverständige zu reagieren. Sämtliche brandschutzrelevanten Bauteile erhalten eindeutige ID-Kennzeichnungen, die spätere Revisionen vereinfachen.

Dokumentationspflichten ab 2025

Die BayBO fordert bei wesentlichen Änderungen eine lückenlose Dokumentation der verbauten Systeme. Die Unterlagen umfassen Prüfzeugnisse, Montageprotokolle, Wartungspläne und Fotodokumentationen. Eine digitale Übergabe an das Facility-Management sichert den lebenszyklusweiten Nachweis der Schutzqualität.

Nutzenszenarien aus der Praxis

Bürostandorte und Unternehmenszentralen

Neustrukturierungen von Großraumbüros zu hybriden Arbeitswelten machen häufig neue Brandabschnittsgrenzen nötig. Sprachgeführte Alarmierungssysteme verkürzen Evakuierungszeiten, während nicht brennbare Fassadenaufbauten die Anforderung an Hochhausgrenzen beantworten und Genehmigungsprozesse beschleunigen.

Luxuswohnungsbau und historische Anwesen

Hochwertige Oberflächen und Denkmalschutz erfordern Lösungen ohne sichtbare Technik. Mikro-Sprinkler mit reduzierter Tropfengröße lassen sich flächenbündig integrieren, während verdeckte Brandschutzklappen Brandschutz und Gestaltung in Einklang bringen.

Einzelhandel, Gastronomie und Mischkonzepte

Kombinierte Verkaufs- und Gastronomieflächen erhöhen die Brandlast deutlich. Ein adaptives System aus Jet-Fans, F90-Schottungen und fettbrandgeeigneter Sprinklerung ermöglicht den sicheren Betrieb, ohne die Schaufenstergeometrie verändern zu müssen.

Integraler Brandschutz in sanierten Gebäuden verkürzt Genehmigungszeiten, reduziert Versicherungsprämien und erhöht die Flexibilität der späteren Nutzung.

Kosten-Nutzen und Lebenszyklusanalyse

Das wirtschaftliche Potenzial eines sanierten Brandschutzes zeigt sich selten allein in den Investitionskosten. Entscheidend ist die Lebenszyklusbetrachtung über 25 bis 30 Jahre. Ausgangspunkt ist die Ermittlung der risikoadäquaten Versicherungsprämie. Eine Erhöhung des Feuerwiderstands von REI 60 auf REI 90 senkt laut regionalen Underwritern im Großraum München Prämien im Mittel um 14 %. Zusammen mit kürzeren Produktionsunterbrechungen im Schadenfall ergibt sich oft ein interner Zinsfuß von über 9 % für die Brandschutzinvestition. Zugleich steigert ein belegbarer Schutzstandard den Marktwert des Objekts: Transaktionsdaten zeigen Zuschläge von durchschnittlich 80 €/m² bei zertifizierten Gewerbeflächen. Wichtig bleibt, Rückbau- und Wartungskosten in die Kalkulation einzubeziehen. So reduziert eine wartungsarme Sprühwasserlöschanlage mit offenen Düsen die laufenden Ausgaben gegenüber klassischer Nasssprinklerung um rund 30 % über den gesamten Betrieb.

Förderinstrumente und steuerliche Aspekte

Die bayerische Förderlandschaft bietet mehrere Hebel, um Brandschutzmaßnahmen mitfinanzieren zu lassen. Im gewerblichen Bereich kombinieren Eigentümer häufig das KfW-Programm 263 mit regionalen Innovationsgutscheinen. Im kommunalen Umfeld erleichtern Art. 10 BayFAG-Zuschüsse den Budgetbeschluss, wenn das Brandschutzkonzept eine Mindeststandzeit der Bauteile von 25 Jahren nachweist. Ergänzend erlaubt § 3c EStG eine sofortige Sonderabschreibung von 50 % für Anlagen zur Gefahrenmeldetechnik, wenn diese integraler Bestandteil einer Sanierung sind. Kritisch ist die Nachweisführung gegenüber dem Fördergeber: Die Prüfstatik, der Abnahmebericht des Sachverständigen und die lückenlose Dokumentation aus der Bauphase müssen spätestens zwölf Monate nach Inbetriebnahme vorliegen, sonst droht eine Rückforderung.

Abnahmeverfahren und behördliche Kommunikation

Die Behörde für Brand- und Katastrophenschutz München setzt bei genehmigungspflichtigen Änderungen verstärkt auf ein zweistufiges Verfahren. Im ersten Schritt wird der Brandschutznachweis mit Plausibilitätsprüfung eingereicht. Nach erfolgter Vorabzustimmung folgt eine Baustellenbegehung durch den Prüfsachverständigen. Er kontrolliert insbesondere Leitungsabschottungen, die korrekte Lage der Brandabschnittsgrenzen und die Funktionsprüfung der Entrauchungsanlage. Für Bauherren empfiehlt es sich, eine digitale Checkliste einzusetzen, auf der alle Mängel tagesaktuell festgehalten und priorisiert abgearbeitet werden. Erfahrungsgemäß beschleunigt diese Transparenz das Schlussabnahmedatum um bis zu vier Wochen und minimiert teure Nacharbeiten.

Betrieb, Wartung und Digitalisierung

Nach der Abnahme beginnt die Phase mit dem höchsten Risiko für Betreiberfehler. Die BayBO 2025 verlangt einen Betreiberordner, der Wartungsfristen, Ansprechpartner und Prüfpläne bündelt. Moderne Facility-Management-Systeme integrieren diesen Ordner als BIM-basierte Datenbank. Rauchmelder, Klappen und Pumpen senden ihre Betriebsdaten per IoT-Gateway an das Dashboard. Algorithmen erkennen frühzeitig Unregelmäßigkeiten, etwa eine erhöhte Anlaufzeit der Sprinklerpumpe. So sinkt die Ausfallwahrscheinlichkeit vorgezogener Revisionen um rund 60 %. Für Versicherer ist diese Transparenz ebenfalls attraktiv: Einige Gesellschaften gewähren bis zu 5 % Nachlass, wenn ein digitales Monitoring nach VdS 3836 besteht.

Typische Fehlerquellen und Best-Practice-Lösungen

Häufigste Ursache für Mängel im Brandschutz ist eine Lücke zwischen Planung und Ausführung. Wenn Fluchtwegbreiten auf dem Papier stimmen, führen spätere Möblierungen oder Einbauten zu Engpässen. Abhilfe schafft eine nutzungsbegleitende Simulation, die während der Bauphase in kurzen Sprints aktualisiert wird. Zweites Problemfeld ist die fehlende Kompatibilität zwischen alt und neu. Beispielsweise können vorhandene Lüftungskanäle die Druckklappen moderner Rauchschutzdruckanlagen stören. Hier sollten die Planer frühzeitig Druckverlustberechnungen anstellen und hydraulische Abgleiche forcieren. Drittens unterschätzen Projektbeteiligte oft die organisatorische Komponente. Brandschutzhelfer müssen geschult und Evakuierungsübungen protokolliert werden; andernfalls verliert das Gesamtsystem seine Wirksamkeit trotz technisch perfekter Ausstattung.

Ausblick: Resiliente Gebäude 2030

In den kommenden Jahren wird Brandschutz stärker mit Nachhaltigkeit verzahnt. Rezyklierbare Brandschutzbekleidungen auf Gips-Zement-Basis, CO₂-reduzierter Spritzbeton für F90-Tragwerke und KI-gestützte Evakuierungssteuerung setzen neue Standards. Gleichzeitig wird die BayBO voraussichtlich engere Vorgaben zur Black-Building-Fähigkeit enthalten, damit sicherheitsrelevante Anlagen auch ohne externen Strom 72 Stunden funktionieren. Unternehmen, die bereits heute modular und digital planen, schaffen die Grundlage, künftige Anforderungen mit vertretbarem Aufwand nachzurüsten und ihren Standortvorteil im Großraum München langfristig zu sichern.

Fazit: Ein integraler, digital dokumentierter Brandschutz steigert den Objektwert, senkt Betriebskosten und schafft Rechtssicherheit gegenüber Behörden und Versicherern. Wer frühzeitig Lebenszykluskosten, Förderpotential und behördliche Prozesse zusammenführt, erschließt bis 2030 eine nachhaltige Renditequelle und sichert die Wettbewerbsfähigkeit seiner Immobilienbestände.

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