Kreislaufwirtschaft Bau: Technische und rechtliche Grundlagen für Recycling Baustoffe in Bayern
Regulatorischer Rahmen im Freistaat
Die jüngste Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes bestimmt, dass mineralische Fraktionen bis 2025 mindestens zu 70 % verwertet werden müssen. Bayern verschärft die Vorgaben durch die Bayerische Ersatzbaustoffverordnung, deren Anhänge konkrete Qualitätsklassen für Recycling Baustoffe festlegen. Bauherren, die öffentliche Fördermittel erhalten, sind verpflichtet, ihre Entsorgungs- und Verwertungswege in einem digitalen Abfallbegleitschein zu dokumentieren. Zusätzlich verlangt das Gebäudeenergiegesetz bei wesentlichen Sanierungen einen energetischen Mindeststandard, der sich in Materialwahl und Konstruktionsaufbau widerspiegelt. Für Anlagenbetreiber im Großraum München wird damit eine doppelte Nachweispflicht aus Ressourcenschutz und Energieeffizienz wirksam.
Abfallhierarchie und Genehmigungsmanagement
Vermeidung, Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung, Beseitigung – diese Reihenfolge ist verbindlich. Genehmigungen nach Art. 2 Bayerische Bauordnung setzen daher früh an: Bereits in der Entwurfsphase müssen Bauleiterinnen und Bauleiter die spätere Sortentrennung plausibel darlegen. Andernfalls drohen Nachforderungen der Baubehörden oder Einschränkungen bei der Nutzung von Recycling Baustoffe auf Tragwerkskomponenten.
Materialströme und Rückbauprozesse
Die Logistik innerhalb einer dicht bebauten Metropole wie München erfordert fein abgestimmte Zeitfenster. Selektiver Rückbau minimiert dabei ungeplante Stillstandtage. Rückbaustoffe werden in bis zu acht Containerfraktionen sortiert; für Beton, Ziegel und asbestfreie Faserdämmstoffe stehen mobile Brecher mit Vibrationssieb zur Verfügung. Nach DIN 4226-101 hergestellte RC-Körnungen dürfen in Betonklasse C25/30 eingesetzt werden, wenn Chlorid- und Sulfatwerte innerhalb der Typ-B-Grenzen bleiben.
Selektiver Rückbau in Innenstadtlagen
Im Glockenbachviertel etwa liegt die durchschnittliche Grundstücksbreite bei 17 m. Dadurch werden LKW-Transfers in Einbahnstrecken nur zulässig, wenn ein Verkehrslenkungsplan mit der Stadt abgestimmt ist. Closed-Loop-Container, die nach Entladung direkt mit aufbereitetem Material zurückkommen, verringern das Verkehrsaufkommen um rund 15 %. Ein digitaler Lieferschein im eANV-System koppelt Chargennummern an das Baustellen-BIM, sodass Planer Stoffströme in Echtzeit kontrollieren können.
Aufbereitung von Beton- und Ziegelfraktionen
Stahlarmierter Beton wird mithilfe eines induktiven Abscheiders vom Bewehrungsstahl getrennt. Das Ergebnis ist RC-Betonbruch < 45 mm, der nach weiterer Brechung als Sekundärrohstoff dient. Ziegelreste über 16 mm eignen sich für sogenannten „Crushed Brick“, der Estrichen eine erhöhte Kapillaraktivität verleiht. Das schont nicht nur Primärressourcen, sondern reduziert Entsorgungskosten um bis zu 28 %.
Nachhaltige Sanierung Materialien im Praxiseinsatz
Materialpässe, die im IFC-Format an das BIM-Modell gekoppelt sind, bieten eine verlässliche Grundlage für Lebenszyklusanalysen. Besonders gefragt sind mineralische Sekundärrohstoffe, Holzverbundprodukte und hybride Dämmstoffe.
- RC-Beton mit 35 % rezyklierter Gesteinskörnung senkt die grauen Emissionen eines Tiefgaragen-Deckels um bis zu 18 kg CO₂e pro m³.
- Brettsperrholz aus oberbayerischen PEFC-Betrieben kombiniert kurze Transportwege mit planbarer Tragfähigkeit nach EN 16351.
- Myzel-basierte Dämmmatten erreichen eine Wärmeleitfähigkeit von ≤ 0,038 W/(m·K) und lassen sich nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip zurückführen.
- Recycling-Gips aus aufbereitetem Rückbau-Rigips wird als Bindemittel in Leichtbauwänden der Achslastklasse BK 30 verwendet.
Für Bestandsgebäude in Stahlbetonskelettbauweise zeigt eine Auswertung der TU München: Durch Einsatz von Recycling Baustoffe können Investoren ihre Scope-3-Emissionen im Durchschnitt um 19 % senken.
Die Auswahl nachhaltige Sanierung Materialien erfordert jedoch eine engmaschige Qualitätssicherung. Für mineralische Sekundärrohstoffe existiert in Bayern ein zweistufiges Prüfverfahren: Erstens die werkseigene Produktionskontrolle, zweitens eine halbjährliche Fremdüberwachung durch eine notifizierte Stelle. Bei Holzbauteilen sichern Ü-Zeichen und CE-Kennzeichnung die Verwendbarkeit. Eine lückenlose Dokumentation ist Voraussetzung, um künftige ESG-Auditierungen ohne Zusatzaufwand zu bestehen.
Für projektspezifische Rückfragen oder eine technische Due Diligence erreichen Sie BETSA.de über das Anfrageformular.
Qualitätssicherung entlang der Wertschöpfungskette
Labore in Bayern prüfen Recycling Baustoffe in drei Stufen: Erst die Korngrößenanalyse nach DIN 66165, gefolgt vom Los-Angeles-Abriebtest und abschließend einer Eluat-Untersuchung auf Antimon, Chlorid und Sulfat. Nur Chargen, die alle Schwellen der Ersatzbaustoffverordnung unterschreiten, dürfen ohne weitere Auflagen in tragende Schichten eingebaut werden. Für Betonrezyklate verlangt die Oberste Baubehörde zusätzlich eine Frost-Tausalz-Beständigkeit von maximal 10 M-% Masseverlust nach 28 Zyklen. Das Zusammenspiel aus Eigen-, Fremd- und Behördenkontrolle schafft ein belastbares Sicherheitsnetz und ist Voraussetzung, damit die Kreislaufwirtschaft Bau dauerhaft Vertrauen bei Bauherren und Prüfsachverständigen gewinnt.
Digitale Instrumente für durchgängiges Stoffstrommanagement
Mit der Einführung von BIM-basierter Mengenermittlung lassen sich Materialpässe automatisch an Bauteile koppeln. In München setzen Tiefgaragenprojekte bereits Smart-Contracts ein, die Transport- und Aufbereitungskosten sekundengenau verbuchen. Sensorgestützte Wiegeeinrichtungen an mobilen Brechern übertragen Füllstände in Echtzeit an eine Cloud-Plattform; weicht die Output-Fraktion mehr als 3 % vom Sollwert ab, wird der Prozess gestoppt. Durch die Verknüpfung von eANV-Nummer und BIM-ID entsteht eine fälschungssichere Audit-Spur, welche ESG-Gutachten signifikant vereinfacht und Prüfzeiten um bis zu 40 % reduziert.
Wirtschaftliche Kennzahlen und Benchmarks
Im Raum Oberbayern liegen Deponiegebühren derzeit bei durchschnittlich 35 €/t, während die Aufbereitung mineralischer Fraktionen zu qualitätsgesicherten RC-Körnungen rund 18 €/t kostet. Bei einem Rückbauvolumen von 10 000 t ergibt sich somit ein Einsparpotenzial von circa 170 000 €. Wird der RC-Beton anschließend in neuem Ortbeton mit 30 % Anteil genutzt, sinkt der Primärkiesbedarf um 2 900 t und die Transportdistanz um rund 45 000 km. Solche Zahlen belegen, dass Kreislaufwirtschaft Bau nicht nur ökologisch, sondern auch betriebswirtschaftlich überzeugt.
Förderkulisse und steuerliche Hebel
Der Freistaat bezuschusst Machbarkeitsstudien zum selektiven Rückbau über das Programm BayRES mit bis zu 50 % der förderfähigen Kosten. Parallel honoriert die KfW im Kredit 297 den Einsatz nachhaltige Sanierung Materialien mit einem Tilgungszuschuss von maximal 22,5 %. Unternehmen können darüber hinaus den Investitionsabzugsbetrag (§ 7g EStG) nutzen, um mobile Brecher oder Siebanlagen vorab steuerlich geltend zu machen. Die Kombination aus Landesmitteln und Bundesförderung reduziert die Amortisationszeit kreislauforientierter Anlagen häufig auf unter drei Jahre.
Fazit
Die technisch belastbaren Prüfverfahren, digitale Rückverfolgung und eine attraktive Förderkulisse machen die Kreislaufwirtschaft Bau in Bayern zu einem wirtschaftlich rentablen Standard. Unternehmen, die frühzeitig auf qualitätsgesicherte Recycling Baustoffe und nachhaltige Sanierung Materialien setzen, sichern sich weniger Genehmigungsrisiken, sinkende Entsorgungskosten und messbare CO₂-Einsparungen. Entscheider sollten jetzt interne Prozesse auf BIM-basierte Stoffstromkontrolle umstellen, Prüfroutinen verankern und geeignete Förderprogramme beantragen, um Wettbewerbsvorteile zu realisieren.
Falls Sie eine ausführlichere Beratung oder ein konkretes Angebot wünschen, senden Sie uns eine Anfrage:
👉 Kontaktformular
Oder nutzen Sie unser Anfrageformular:
👉 Zum Angebotsformular