Zurück zum Blog
Blog/

Energiegemeinschaften in Bayern: Wie Gewerbeimmobilien von neuen Gesetzen profitieren und Energiekosten senken können

Energiegemeinschaften in Bayern: Wie Gewerbeimmobilien von neuen Gesetzen profitieren und Energiekosten senken können

Energiegemeinschaften und Selbstversorgung in Bayern: Chancen für Gewerbeimmobilien

Unternehmen im Großraum München stehen unter hohem Druck, Energiekosten zu senken, Klimaziele einzuhalten und den Wert ihrer Immobilien zu sichern. Energiegemeinschaften und Selbstversorgung bieten einen pragmatischen Weg, diese Ziele gleichzeitig zu erreichen. Sie ermöglichen es, lokal erzeugten Strom zu teilen, Überschüsse zu vermarkten und Investitionen in erneuerbare Technik besser auszulasten. Für Eigentümer und Betreiber von Gewerbeimmobilien, die ohnehin eine umfassende Sanierung oder Modernisierung planen, kann die Kombination aus Bauprojekt und Energiegemeinschaft einen deutlichen Effizienzhebel darstellen.

Warum das Thema jetzt wichtig ist

Mehrere Entwicklungen treffen sich zeitgleich. Erstens steigen die CO2-Preise im europäischen Emissionshandel (EU ETS) und wirken sich durch den Strommix indirekt auf den Einkaufspreis aus. Zweitens sorgt die EEG-Novelle 2023 dafür, dass Photovoltaik- und Speicherlösungen planbarer gefördert werden. Drittens verschärft das Gebäudeenergiegesetz (GEG) die Anforderungen an die Eigenstromnutzung für Nichtwohngebäude. Schließlich setzen institutionelle Investoren und Kreditgeber vermehrt auf ESG-Kriterien. Wer jetzt saniert, sollte also prüfen, ob eine kooperative Energieversorgung nicht nur Kosten spart, sondern auch regulatorische Risiken entschärft und die Taxonomie-Konformität stärkt.

Aktuelle Daten, Studien & Regulatorik

Branchenkennzahlen

Laut einer Studie der Bayerischen EnergieAgentur aus dem Jahr 2023 entfallen rund 28 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs auf Gewerbe- und Dienstleistungsgebäude. Zugleich sind knapp 40 Prozent der verfügbaren Dachflächen auf solchen Objekten bisher ungenutzt. Die Fraunhofer-ISE-Metastudie „Segmente für Energy-Sharing“ geht davon aus, dass allein in Bayern rund 2,5 Gigawatt Photovoltaik wirtschaftlich in Energiegemeinschaften eingebunden werden können. Bei einer durchschnittlichen Anlagengröße von 250 Kilowatt entspricht das rund 10 000 Projekten mit jeweils mehreren Beteiligten. Die Vergütung für eingespeisten Überschussstrom liegt aktuell bei bis zu 13,2 ct / kWh, während Gewerbetarife an der Börse zeitweise über 30 ct / kWh notieren. Diese Spanne eröffnet Raum für stimmige Geschäftsmodelle.

Förderprogramme & Gesetze

Rechtsrahmen und Förderlandschaft verändern sich dynamisch. Auf EU-Ebene schreibt die Renewable Energy Directive II das Konzept der „Renewable Energy Communities“ fest. In Deutschland wurde dieser Ansatz mit § 118 EnWG und § 42 b EEG teilweise umgesetzt. Bayern stärkt das Thema zusätzlich über die Initiative „Energie System 2050“ und das Förderprogramm „PV-Speicher-Bonus“. Für Sanierer sind besonders folgende Punkte relevant. Erstens: Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erlaubt Zuschüsse bis 15 Prozent für Photovoltaik und Speicher, wenn sie im Zuge einer Sanierung installiert werden. Zweitens: KfW-Programm 270 bietet zinsgünstige Darlehen ohne Tilgungszuschuss, lässt sich jedoch mit regionalen Boni kombinieren. Drittens: Die Bayerische Bauordnung wurde 2022 angepasst, wodurch PV-Anlagen auf Bestandsdächern mit einer Neigung bis 75 Grad verfahrensfrei sind. Das reduziert Planungsaufwand und Genehmigungsdauer.

Praxisnahe Tipps für anspruchsvolle Projekte

Planung & Finanzierung

Am Anfang steht eine Lastganganalyse. Sie zeigt, welche Leistungskurve das Gebäude heute aufweist und welche Verschiebungen durch Effizienzmaßnahmen zu erwarten sind. Daraus leiten Planer die optimale Modulleistung, Speichergröße und Reservekapazität ab. Ein realitätsnahes Simulationsmodell berücksichtigt auch saisonale Schwankungen. Für größere Portfolios lohnt sich ein Cluster-Ansatz: Mehrere Gebäude können über ein virtuelles Netz bilanziell zusammengefasst werden. Finanzierungsseitig dominieren drei Modelle. Eigeninvestition ermöglicht die höchste Rendite, bindet jedoch Kapital. Contracting verlagert Aufwand und Risiko auf einen Dritten, der den Strom zu einem festen Tarif liefert. Hybrid-Modelle, bei denen mehrere Eigentümer eine Projektgesellschaft gründen, gewinnen an Bedeutung, wenn Nachbarn gemeinsam investieren und die Aufdachflächen teilen.

Umsetzung & Bauleitung

Die erfolgreiche Integration in eine laufende Sanierung hängt von exakter Terminplanung ab. Dacharbeiten, Leitungsverlegung und Installation der Unterkonstruktion sollten eng mit der Rohbauphase abgestimmt sein. Wichtig ist, die Statik früh zu prüfen, da moderne Module eine Flächenlast von 10–15 kg / m² aufweisen. Netzbetreiber fordern für Anlagen ab 135 kW einen Erzeugungszähler und Fernwirktechnik. Experten raten, die Messtechnik gleich so auszulegen, dass weitere Gebäude unkompliziert angeschlossen werden können. Bei Gewerbeeinheiten spielt zudem Arbeitsschutz eine Rolle. Bauleitung muss deshalb Absturzsicherungen, Brandsicherheitswände und Fluchtwege früh einplanen. Eine spätere Nachrüstung kostet bis zu 30 Prozent mehr als die parallele Umsetzung im Sanierungsfenster.

Branchenspezifische Nutzenbeispiele

Bürogebäude & Unternehmenszentralen

Der typische Büro-Lastgang erreicht seinen Spitzenwert zwischen 10 und 16 Uhr. Das deckt sich ideal mit der PV-Erzeugung. Mit einem Batteriespeicher, der zwölf Prozent der Tagesproduktion aufnehmen kann, lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf 85 Prozent steigern. Eine Münchner Unternehmenszentrale (6 400 m² BGF) reduzierte durch diese Kombination die Strombezugskosten um 41 Prozent. Gleichzeitig profitiert sie von einem weichen Employer-Branding-Effekt: Die Belegschaft sieht täglich auf Dashboards den CO2-Footprint in Echtzeit.

Luxuswohnungen & Private Estates

Im High-End-Segment sind Komfort und Autarkie zentrale Kaufargumente. Eine Mehrparteienvilla im Landkreis Starnberg installierte 120 kWp PV, 250 kWh Lithium-Speicher und ein Microgrid-Controller. Die Bewohner teilen Strom für Wärmepumpen, Pooltechnik und Wallboxen über ein Abrechnungssystem auf Blockchain-Basis. Das Ergebnis: 72 Prozent Jahresautarkie, deutlich reduzierte Netzlastspitzen und ein nachweislicher Wertzuwachs der Immobilie. Die positive ESG-Bilanz erleichterte zudem eine Anschlussfinanzierung bei einer nachhaltigen Privatbank.

Gewerbe- und Einzelhandelsflächen

Ein Fachmarktzentrum nahe Rosenheim nutzte die Dachfläche von 9 000 m² für 990 kWp PV. Die Betreiber der Ladeneinheiten beziehen Strom gemeinschaftlich. Ein dynamischer Tarif koppelt den Preis an den Börsenindex minus einen festen Rabatt. Durch Peak-Shaving via Batteriespeicher sank die Anschlussleistung um 18 Prozent. Das Netzentgelt reduzierte sich entsprechend. Gleichzeitig erfüllt das Center nun die Anforderungen mehrerer Ankermieter, die vertraglich „grünen Strom“ fordern. Ohne dieses Modell hätte eine Flächennachvermietung höhere Incentives erfordert.

Fazit

Energiegemeinschaften kombinieren wirtschaftliche Vorteile, regulatorische Entlastung und ESG-Mehrwert. Wer eine Sanierung oder Modernisierung im sechsstelligen Bereich plant, kann durch die frühzeitige Einbindung von PV, Speicher und Sharing-Strukturen signifikante Synergien heben. Praxisfälle in ganz Bayern zeigen, dass sich die Amortisationszeiten bereits heute unter fünf Jahren bewegen können. Entscheider sichern sich damit nicht nur stabile Strompreise, sondern erhöhen zugleich die Marktattraktivität ihrer Objekte. BETSA.de begleitet Sie bei der schlüsselfertigen Planung, der baulichen Umsetzung und der energiewirtschaftlichen Integration – alles aus einer Hand.

Falls Sie eine ausführlichere Beratung oder ein konkretes Angebot wünschen, senden Sie uns eine Anfrage:
👉 Kontaktformular
Oder nutzen Sie unser Anfrageformular:
👉 Zum Angebotsformular

Zurück zum Blog

Kontakt

Bitte zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren! Wir versuchen, immer mit Ihnen in Kontakt zu bleiben und Ihre Anliegen schnellstmöglich zu bearbeiten.

Hauptinfo

Landsberger Straße 394, 81241 München

Folgen Sie uns in den sozialen Medien